
Zum 20-jährigen Jubiläum des
Hanauer
Papiertheatermuseum
wurde am 5. Mai 2010 vom Verein Forum Papiertheater im Schloss die Ausstellung
„20 Jahre Aufführungen im
Papiertheatermuseum“
eröffnet. Fast jede der Gastbühnen wie auch die beiden Hanauer
„Schloss“-Bühnen Wurz und Buttler zeigen jede mindestens ein
charakteristisches
Bühnenbild aus einer ihrer Hanauer Vorstellungen.
Für Viele werden bestimmt Erinnerungen an die Aufführungen wach, und die sichtbare Vielfältigkeit der Möglichkeiten und Stile des Papiertheaters können auch bei anderen Besuchern den Wunsch erwecken, sich einmal eine Aufführung der Hanauer oder der Gastbühnen anzusehen.

Im mittleren Raum erwartet den Besucher
eine weitere neue Ausstellung zum Thema
„Europäische Papiertheater“.
Bühnen in den 12 Vitrinen
und viele
Originalbögen in den Schubern vermitteln eine
Übersicht über die
Produktion der
europäischen Bilderbogenverlage.
Hier noch eine kleine Fotogalerie der Ausstellung
Link
auf eine Bildergalerie der Stadt Hanau
Link auf ein animiertes Panoramabild auf www.hanau.de
Das aktuelle Programm auf www.hanau.de
Spielplan Januar–Juni 2012 als pdf
Kartenvorbestellung

Theatergruppe Buttler:
06184 / 62300
Theatergruppe Wurz:
069 / 63391747
Gastspiele: 06181 / 28857
Die Aufführungen finden im Papiertheatermuseum statt.
Gatsspiele in der Regel im Blauen Saal des Schlosses.
Da nur 25 Besucher in einer Aufführung Platz finden, sind telefonische
Reservierungen unter den Telefonnummern zur jeweiligen Vorführung
erforderlich.
Wir empfehlen, ein Opernglas mitzubringen.
Eintritt wird nicht erhoben; zur Finanzierung der Aufführungen werden
Spenden dankbar angenommen.
Die Aufführungen sind für Kinder über 6 Jahre und Erwachsene geeignet,
wenn nicht anderes angegeben ist.
Von Dietger Dröse, der dieses Theater nach Hanau brachte

Alexander Selkirk ist ein schottischer Matrose, der 1704 auf der menschenleeren Insel Juan Ferandez ausgesetzt wird und dort bis 1709 lebt. Von einem zufälligen Handelsschiff wird er aufgenommen und kehrt nach London zurück. Er schreibt ein Tagebuch, das der englische Schriftsteller Daniel Defoe in die Hände bekommt und 1719 aus London Hamburg, aus Selkirk Crusoe und aus Alexander Robinson macht. Der Roman ist sehr erfolgreich. Ihm folgen viele Robinsonaden. Eine will ich Ihnen hier erzählen:
Wir schreiben den 25. 11. 1845 in
Frankfurt. Der vierundzwanzigjährige Kunststudent oder schon Kunstmaler
Philipp Rumpf, Sohn eines Konditors, heiratet seine Base Christine, und
sie schenkt ihm 5 Tage später einen Sohn, der sicherlich nicht Robinson
heißt, denn noch ist es weit von Hamburg nach Frankfurt. 1858 finden
wir diesen 13jährig ein Sohn Sebastian Wilhelm, oder seinen 10jährigen
Bruden Carl Paul Eduard, oder dessen 8jährigen Bruder Carl Philipp
Anton auf einem Gemälde seines Vaters wieder: Einer von ihren spielt
hinter einem Tischtheater irgend etwas seinen jüngeren Geschwistern,
der 6jährigen Thekla, dem 3jährigen Philipp Jacob und dem 2jährigen
Johannes Robert und der Mutter vor. Was, ist nicht erkennbar, aber es
mag Dornröschen gewesen sein, denn in diesem Stück erzählt der Vater
als Malerstudent „Fröhlich“ seine Loslösung von der Städel-Schule in
Frankfurt, seine Hinwendung nach Kronberg, wo er eine Malerakademie
gründete, und natürlich den Kuß, den er Dornröschen 1845 zu seiner
Erweckung gab.
Gleich, wer der Knabe ist, unser Malprofessor hat
das Theater nicht nur 1858 gemalt, sondern auch gebaut für seine auf 10
Kinder anwachsende Familie, in dem später Robinson seine Heimat finden
wird. Zumindest zwei von diesen Kindern faszinierte dieses Theater: den
1760 geborenen Sohn Emil, der ebenfalls Kunstmaler wird, und die
Tochter Marianne, die den Sohn der Frankfurter Rosenaphotheke Am
Salzhaus, Herrn Karl Phïlipp Engelhard, heiratet und auf die das
Theater nach dem Tod des ersten Prinzipals 1896 übergeht.
Aber halt! Soweit sind wir noch nicht in unserer Robinsonade. Wir schreiben erst einmal das Jahr 1886, denn etwa in diesem Jahr reist Robinson an den Main nach Frankfurt . Der Esslinger Kinderbuch- und Papiertheaterverlag F. J. Schreiber hat gerade sein Kindertheaterstück „RobinsonCrusoe“ herausgebracht mit Dekorationen wie „Tropischer Urwald“ und „Stürmisches Meer“, Figurenbogen und Textheft, das jedoch der Prinzipal offenbar nicht besitzt, denn er schreibt den Text, obwohl er ihn laut Vorwort seines Regiebuches etwas dröge findet, in feinstem Sütterlin ab, und auch die Figuren werden selbstgemalt – in einem Schreiberheft Nr. 25 wären sie dabeigewesen. – Jedenfalls auf 99 Jahre nistet sich Robinson bei der Frankfurter Familie Engelhard ein und beeinflußt das Familienleben.
Vom Hause Karl-Philipp Engelhard und dem Schwager Emil Rumpf wird offenbar die Faszination übertragen auf Dr. Max. (Maximilian Engelhard, dem nächsten Prinzipal dieses Theaters. Er saß sicherlich zunächst auch wieder als Kind vor der Bühne, auf der ihm Robinsonvon seinen Abenteuern erzählte, aber er griff dann als Erwachsener ebenso wie sein Sohn in das Geschehen ein. Im Text wurde die Nacktheit des Freundes unseres Helden Freitag in Frage gestellt und es kamen wohl auch schon die Soldaten hinzu, die „rechts rum, links rum“ riefen: Klappfiguren, die es im deutschen Kindertheater nicht gab. Robinson wurde nicht nur heimisch, wie die Theaterzettel zeigen, sondern auch regelmäßig. Die Phantasie seines Onkels lieferte die Bühnenbilder mit selbstgemalten stürmischen Gewitterszenen, schwingenden Wellenböden, veränderten Hintergründen der Firma Schreiber und vor allen Dingen mit vielen selbstgemalten Urwaldtieren – Emil Rumpf gilt auch als begabter Tiermaler.
Und vor dieser Bühne sitzt wieder ein Kind, Karl Engelhard, der dann, selber zum Prinzipal geworden, die Schreiberschen Drucke ziemlich überklebt, neue Dialoge einführt, neue teilweise nur pantomimische Szenen hinzufügt und den Robinson auf 15 Bilder erweitert. Zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn Karl Michael als Regieassistent läßt er den Robinson bis zu seinem Tode auf der Bühne. Dr. Karl Engelhard schmaucht heute noch seine Zigarre durch die Textbücher, „links“, wo übrigens auch sämtliche Züge des Theaters liegen.
1985 wandert sodann Robinson mit seiner Umgebung in zwei Eichenschränke, das Theater wird aus dem Türrahmen in der Frankfurter Höllbergstraße genommen und wohl verpackt. Robinson schläft 15 Jahre. Doch auf einmal fangen die Schränke an zu rütteln, sie werden aus hohen Regalen des Engelhard’schen Arzneiunternehmens in Niederdorfelden herunterbalanciert und fahren Dank eines glücklichen Zufalls Richtung Hanau. Dort öffnen sich Anfang Juli 2000 die Türen erneut und Robinson steht wieder auf seiner Bühne, allerdings schießt er nicht mehr aus der mitgeführten Pistole (ursprünglich Gewehr), die Klapperschlange klappert auch nicht mehr mit den Kochlöffeln, die Wellen werden nicht mehr schwingen, um Robinson auf seiner Planke schwimmen zu lassen, und die Klingel an der Schalttafel wird nicht mehr klingeln. Aber Robinson ist zumindest für die nächsten drei Jahre museal seßhaft im Papiertheatermuseum Schloß Philippsruhe geworden. Robinson ist wieder auf einer Insel, nur daß es auf dieser keine Kannibalen gibt, sondern nur ein Schloß und alles andere ist Ihrer Fantasie überlassen.
Stammbaum der Familie Rumpf-Engelhard
in der Zeit des Theaterspiels

Spielorte in Frankfurt/Main
Karl Philipp Engelhard: Taunusstraße
in den 20er Jahren dann
Dr. Max Engelhard: Westendstraße
Karl Engelhard: Schumannstraße und Höllberg Straße
Das Theater
Erstbau 1858 als Tischtheater ohne Hängeboden, dokumentiert durch seinen Erbauer, den Kunstmaler Professor Philipp Rumpf 1858. Die ersten Kulissen (Wald von Philipp Rumpf wurde genagelt, so daß Vermutung besteht, daß nur dieses Bühnenbild vorhanden war).
Später, mutmaßlich unter Dr. Max Engelhard, erfolgte ein grundlegender Umbau: Von dem eigentlichen Theater blieb nur das Bühnenportal mit den Säulen. Bühnenboden und Hinterbühne wurden vollkommen erneuert; ebenso die Beleuchtung, die vermutlich bis dahin durch Kerzen erfolgte. Vor und nach diesem Umbau malte oder kollagierte Emil Rumpf Dekorationen, denn es befindet sich unter ihnen ein signierter ägyptischer Hallenhintergrund, der noch nicht die Aufhängelöcher für die Hängung hatte. Es wurden geschaffen, ein feststehender Bühnentisch mit der Versenkung und entsprechender Bühnenboden, in die Lampe vor Proszenium integriert wurde. Die Bühne erhielt hinter dem Portal elektrische Beleuchtung mit roten und grünen Scheiben, die hochziehbar waren. Auf dem Bühnenboden wurde ein Hängebodengestell angebracht, hinter die Hauptcourtine kam ein Zwischenvorhang. Bis zum Hintergrund entstanden perspektivisch 4 Gassen im Abstand von 12 cm zur ersten (mit Zwischenvorhang 4 cm zur ersten) Gasse, dann zwei Gassen à 8 cm und die letzte vor dem Hintergrund mit 8,5 cm. Die Bühne erhielt folgende Maße, wobei noch zu bemerken ist, daß der Tisch mit seitlichen und einer Rückklappe zum Auflegen der Textbücher „links“ und „rechts“ versehen wurden:

Giebelhöhe 164,5 cm
Bühnenbreite 81 cm
Bühnentiefe ohne Rückklappe 77 cm
Rückklappe 25 cm
Seitenklappen 22 cm
Portalausschnitt 89 cm
Bühnenausschnitt (mit Vorhangsofitten) 56 x 50 cm
Bühnendurchblick nach Vorhangsofitten 38,5 x 40 cm
Hängebodenhöhe 81,5 cm
Bühnenzüge Dekorationen und Vorhängen alle links beim Prinzipal
Dieses Theater wurde dann entweder schon unter Dr. Max Engelhard oder erst durch seinen Sohn fest in eine Kellertür installiert, so daß ein Aufführraum und ein Zuschauerraum entstand. Das Tischtheater mit offenen Spieler wurde zur abgeschlossenen Bühne. Elektrisches Licht kam hinzu, aber die Kerze blieb wohl bestehen. Es kam auch per Grammophon die Musik hinzu, aber im Grunde blieb es das Kindertheater, das möglicherweise bereits Philipp Rumpf am Ende seines Lebens so beschrieb:
„Zu meinem Kindertheater
mit beweglichen Figuren kann jeder Theatertext, der die in Szene
gesetzten Stücke behandelt, gebraucht werden. Im Aufbau durchaus
brauchbar, wenn auch etwas trocken, ist die Ausgabe Heft 25 aus
Schreiber’s Kindertheater. Jedem Vorspielenden wird der Inhalt der
schönen Robinsonade bekannt sein, so daß es ihm leicht sein dürfte, an
Hand meiner Anleitung ohne bindenden Text die Zuschauer zu erfreuen.*
Die Figuren sind, soweit sie zu sprechen haben, alle beweglich. Auch
Tiere sind zum Teil beweglich zur Belebung des Stückes (Urwaldszene).
Man bewegt jeweils die Figur, welche spricht. Rückseitig ist auf
Kulissen, Figuren und Versatzstücken, die Szene, zu der sie Verwertung
finden sollen, vermerkt. Verschiedene Seitenkulissen, Figuren und
Versatzstücke sind, wie darauf vermerkt, zu mehren Szenen verwendbar.
Die Beleuchtung der Bühne empfiehlt sich mittels Hängelampe von oben zu
bewerkstelligen, daß die Figuren von oben schräg noch beleuchtet
werden. Die Wellen werden nach dem, wie der Plan zeigt, ausgehängt
sind, leicht nach gegeneinander in Bewegung gesetzt und schwingen dann
lange Zeit von selbst. Der auf dem Maste schwimmende Robinson, ebenso
die abfahrenden Schiffe im letzten Akt werden schaukelnd zwischen den
sich bewegenden Wellen hindurchgeschoben. Während der Seesturmszene ist
Donner und Blitz nachzuahmen.
Donner erzeugt man mit einem großen Blech oder Pappe, Blitz mit
gestoßenem Kolophonium, das man aus einer Insektenspritze in ein Licht,
das neben den Kulissen aufgestellt wird, hineinbläst. Mit Schwingen
eines Lineals im Kreise an einer Schnur kann man Windsausen nachahmen.
Es empfiehlt sich, daß derjenige, der vorliest, Donner, Wind und Blitz
bedient, weil der die Figuren Bedienende genug mit den Figuren zu tun
hat.
Um dem Zuschauer einen ruhigen Eindruck zu geben, empfiehlt es sich,
das Theater nach vornhin (nach der Seite und oben) mit Packpapier oder
Leinentüchern so abzuspannen, daß man weder Umgebung des hinteren
Theaters und den Spielern nichts sieht. Man steckt die Leinentücher mit
Reisstiften an den Theaterrahmen vorn. Das Theater läßt sich auch sehr
schön in einer Tür anbringen auf einem Tisch und elektrischer
Steckerbeleuchtung. In der Ausführung der Bühnendekoration wurden
Detail vermieden, um die Figuren kräftiger wirken zu lassen.
* Als weiteres Stück ist Kalif Storch in Ausarbeitung, auch werden auf Wunsch andere Stücke … geliefert.“
Das Theater ist heute noch voll funktionsfähig und es wird vielleicht einmal der Zeitpunkt kommen, in dem Robinson wieder von der Bühne ins Publikum schaut – aber diesmal in Hanau, worauf die frühere Oberbürgermeisterin Frau Härtel so stolz war.
Hanauer
Papiertheatermuseum
Museum Hanau Schloss Philippsruhe
Philippsruher Allee 45
63454 Hanau
Tel: 06181 / 295-564 oder -571
Öffnungszeiten:
Die–So 11–18 Uhr