Zeitungskopf

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Papiertheaterleuten muss man nicht erklären, was, wo und wie Preetz ist. Oder doch? Etwa die Sache mit den Schustern? Oder warum das globale Treffen gerade hier stattfindet, wie es zustande kam, wer für was sorgt usw.?

Wir fragen Dirk Reimers, der es von Anfang an .... oder wie war das genau? Das Interview.

Dazu: eine kleine Preetz-Info.

Ansonsten freuen wir uns auf den 10. bis 12. September.

Und sehr freuen würden wir uns auch nach wie vor über Beiträge unserer Leserinnen und Leser, vielleicht auch über das Preetzer Treffen. Für eventuelle technische Fragen dazu steht gerne bereit

 

die Redaktion

 

INHALT – Nr. 17 – September 2010 

Interview mit Dirk Reimers von Uwe Warrach Seite 2

Preetz - nicht nur Papiertheater von Uwe Warrach Seite 3

Wir sehen uns ... Seite 4

alle Ausgaben

 


Blocker

Seitenanfang   Home   Impressum

Das PapierTheater Nr.17                           SEITE 2                        September 2010

Interview

Interview mit Dirk Reimers

von Uwe Warrach

23 Jahre Preetzer Papiertheatertreffen

13,6 Vorstellungen, ein Weißes Buch und eine falsche Prognose

 

 


Nun ist Preetz an den übrigen 362 Tagen des Jahres nicht mehr nur Papiertheaterstadt. Du lebst dort seit über 40 Jahren und hast dort Dein Papier-Curiosa-Geschäft. Was schätzt Du an Preetz sonst noch?

Soll ich jetzt über Wälder und Seen, über Spaziergänge mit meinem Hund reden? Wenn man eine lange Zeit an einem Ort gelebt hat, wo man in 40 Jahren Ehe etwas mit dem Partner zusammen geschaffen hat, dann ist das eine Grundlage dafür, auch Dinge zu schätzen, die manchmal nicht sonderlich schätzenswert erscheinen mögen.

 

Du wärest kein Nordlicht und nicht Dirk Reimers, wenn Du nicht ein paar Döntjes über Preetz und das Papiertheatertreffen auf Lager hättest. Also?

Also Döntjes möchte ich es nicht nennen, sagen wir, einige Begebenheiten, die einem in Erinnerung bleiben.

George Speaight *) erzählte mir bei einem seiner Auftritte in Preetz, er habe in einem Reiseführer das Kloster in Preetz als Sehenswürdigkeit beschrieben. Obwohl er nie dort war und es auch während seines Aufenthalts nicht besuchen wollte.

Bei einem Treffen in Troyes in Frankreich hatte ich einen kleinen Verkaufstisch, und George kaufte eine Kleinigkeit für 1 oder 2 Franc, er bezahlte lächelnd mit einem 100 Franc Schein. Da ich nun kein Wechselgeld mehr hatte, bat ich Alain mir den Schein zu wechseln. Alain lachte lauthals und sagte, ihm habe George auch schon versucht den alten Lappen anzudrehen.

Und nochmals George. Bei einer Abendvorstellung saß er zwischen Mary, seiner Frau und mir. Wir musste ihn etwas stützen, den er schlief sehr schnell ein. Am nächsten Morgen beim Frühstück fragte Mary mich, ob ich das Stück verstanden habe. Ich verneinte und sagte, dass ich auch nicht Französisch könnte. In dem Moment der Kommentar von George: „Selbst wenn ihr beide Französisch können würdet, hättet ihr es nicht verstanden.“ Mary zu ihm: „But you?!“

Bei den ersten Preetzer Treffen wurde ich noch lange von einigen Besuchern misstrauisch beobachtet: Was versuchte man da auf die Beine zu stellen? Die Skeptiker waren in der Überzahl, und ich hatte das Gefühl, es gäbe einige, die die Lage zu testen hatten.

Es war ein früher Sonntagmorgen, als ein Besucher vor der Kasse stand und mich anranzte, was das für eine schlechte Organisation sei, um 10 Uhr sollte die Kasse geöffnet werden und es sei bereits nach 10 Uhr. Meine Antwort war nur: „Bitte entschuldigen Sie, aber heute Nacht hatten wir wieder die Zeitumstellung.“ Solche Gespräche festigen Freundschaften.

Ein Anderer klatschte mir bei seiner Abreise ein „weißes Buch“ auf den Tisch, mit der etwas bissigen Bemerkung: „Lesen Sie sich das mal durch, damit Sie wissen was Papiertheater überhaupt ist.“ Was Papiertheater für mich ist, weiß ich, und dieses „weiße Buch“ habe ich immer noch nicht gelesen.

Es gibt auch immer das Gerede um die Anzahl der Stücke, die man maximal sehen kann. Einige Zuschauer machen eine richtige Wissenschaft daraus, und es geistert immer die Zahl 12 durch die Gänge. Bei einem Treffen sagte mir dann ein guter Freund, er könne 13,6 Vorstellungen sehen, er habe es genau errechnet, Pausenzeiten und genaue Länge der Stücke berücksichtigt. 10 hat er dann doch nur geschafft.

Einmal soll eine Zuschauerin eine Vorstellung verlassen haben, weil die Begleitmusik nicht von dem Dirigenten war, den sie erwartet hatte.

Bei einem Festival in New York habe ich von einem Amerikaner den Tipp bekommen, das es in Deutschland jährlich ein Papiertheatertreffen gebe!

Zum Abschluss noch dieses: In den ersten Jahren der Preetzer Zeit, wurde von vielen Bühnen eng nach alten Vorlagen gespielt, und unter den Zuschauern befanden sich überwiegend Sammler. Wir hatten nun in unserer blauäugigen Art Kulissen und Figuren verschiedener Verlage gemischt, und als der Vorhang sich hob, war ein Flüstern und Raunen im Publikum: Die und die Kulisse gehöre zu dem und dem Stück und die Figuren sind aus dem Verlag, wo ist denn der Text her, geht denn das, also ich weiß nicht usw usw.

Inzwischen geht alles. Eines möchte ich abschließend bemerken. Nach dem ich glaube 2.Treffen, hat man zu mir gesagt: „Sie werden keine neuen Bühnen finden und schon gar nicht neue Stücke.“ Die Feststellung hat mich gereizt und nun die Antwort:
Das 23. Treffen im Jahr 2010.


*) George Speaight (1914-2005) war einer der bekanntesten englischen Papiertheaterspieler und -historiker (1914-2005); siehe auch PAPIERTHEATER Nr. 32/Dezember 2006.




 


Seitenanfang   Home   Impressum

Das PapierTheater Nr.17                           SEITE 3                        September 2010

Stadtporträt

Preetz - nicht nur Papiertheater

von Uwe Warrach  

 

 

Als das Schusterhandwerk wegen der Konkurrenz der Schuhindustrie Ende des 19. Jahrhunderts zurück ging, wurde Preetz zur "Schlachterstadt", mit einem Dutzend Fleisch- und Wurstfabriken. Heute hat Preetz vielfältiges Gewerbe, u.a. die größte Druckerei Europas.

Das erste „Circusmuseum“ Deutschlands gibt es in Preetz seit über 30 Jahren, außerdem ein Heimat- und ein Uhrenmuseum.
Wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Künstler können im Kunstkreis Preetz besichtigt werden.

Regelmäßige Veranstaltungen: Preetzer Kulturnacht, Autoschau, Schusterfest und Schusterlauf, Kunsthandwerkermarkt und, natürlich, das größte Papiertheatertreffen der Welt...

Was sonst noch interessiert und Details: www.preetz.de

 


Seitenanfang   Home   Impressum

Das PapierTheater Nr.17                           SEITE 4                     September 2010

         Preetz

Seitenanfang   Home   Impressum